Liebesgedicht I und II


Vor langer, vor so unendlich langer Zeit,

wurden wir von den Wellen unserer Gefühle,

an alle denkbaren und undenkbaren Ufer des Lebens getragen.

Wir sprangen wie kleine Fische, im Sonnenlicht glitzernd,

über den Ozean unserer Liebe.

Wie Möwen glitten wir durch den Sturm unserer Leidenschaften.

Niemals haben wir uns aus den Augen gelassen.

Wären gemeinsam im tiefen Ozean ertrunken,

gemeinsam, aus atemberaubenden Höhen, abgestürzt

und gemeinsam, in der Glut der Sonne, verbrannt.

 

Bis dann der Abend nahte und die Sonne im Meer versank,

der Sturm sich legte und wir uns in der Dunkelheit verloren.

Eisige Kälte breitete sich aus.

Langsam, ganz langsam fing der Ozean an,

sich mit einer Eisschicht zu bedecken,

um alsbald, bis auf den Grund zuzufrieren.

Jegliches Leben wurde vernichtet.

Getrennt saßen wir an fernen Ufern.

Zitternd und vor Angst erstarrt,

hielten wir in der Dunkelheit Ausschau nacheinander.

Berstend schoben sich die vereisten Wellen an die Gestade

und türmten sich, wie riesige Gebirgslandschaften, vor uns auf.

Wir waren für immer voneinander getrennt.

Das Rufen unserer Namen hatten wir eingestellt

und wurden langsam von einem Eispanzer eingeschlossen.

Reglos warteten wir, weit entfernt voneinander, auf unser Ende.

Wir hatten uns geschworen gemeinsam unterzugehen,

gemeinsam abzustürzen oder gemeinsam zu verbrennen.

Geschworen hatten wir es uns! Hoch und heilig geschworen!

Eine letzte gemeinsame Träne weinten wir so fern voneinander.

Sie war so heiß, so voller Mitgefühl und Sehnsucht,

dass sie unseren Eispanzer zum Schmelzen brachte,

in den gefrorenen Ozean rollte und dieser nun aufzutauen begann.

Die Sonne ging auf am Horizont.

Und im warmen Wind, fingen die Möwen an zu tanzen.

Ich sah Dich winken, am Ufer einer anderen Welt-

Nun müssen wir nur noch zueinander finden.

 

Mallorca 2008

 

Liebesgedicht II    24.07.2011

 

wir hatten uns zugewunken und zugerufen,

getrennt an weit entfernten Ufern.

Wir versuchten den eiskalten Ozean zu überwinden

und kämpften gegen die Wellen an,

die immer höher und höher wurden.

Stürme peitschen unsere erschöpften Gesichter,

die wir nur mit Mühe über Wasser halten konnten.

 

Wir konnten uns nicht mehr sehen,

nur vereinzelte Möwen gaben Nachricht,

dass ein jeder von uns versuchte,

das Unmögliche moglich zu machen.

 

Die Möwen verloren sich am Horizont

und ihr immer seltener werdendes Erscheinen

kündete von der Aussichtslosigkeit unseres Unterfangens.

Nur kalter Wind und haushohe Wellen...

 

Mir schwinden zunehmend die Kräfte,

das Wasser scheint mich nicht mehr tragen zu wollen

und spüre wie mich der Sog der Tiefe erfasst.

Ein letzter Blick, bevor mich die Kräfte verlassen

und da sehe ich Dich auf einer kleinen Insel,

ganz abgekämpft, aber wohlbehalten,

schaust Du in die Weiten des Ozeans

und ich weiß, dass Du mich nicht vergessen wirst.

Handewitt  2011





 
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