Der Urlaub
Grad noch habe ich mich umgeschaut
und sah ein tiefes schwarzes Loch -
da hab ich mich hineingetraut,
obwohl es sehr nach Pech und Schwefel roch.
Ich stieg hinab bis auf den Grund,
Geschmeiß und andre Ungeheuer,
belebten diesen dunklen Schlund;
verweste Leichen hingen am Gemäuer.
Feuerwände flammten vor mir auf
und Qualm versperrte meine Sicht
Geschundne Leiber sah ich hier zu Hauf -
doch Schmerz und Mitleid fühlt ich nicht.
Im Feuer sah ich Menschen brennen,
andre traktiert von glühend heißen Zangen.
Die Zahl der Qualen kann ich nicht benennen -
ich wollte tiefer in das Schreckensreich gelangen
Ein lauter Schrei, ließ mich vor Angst erstarren;
ein Teufelsweib kam auf mich zugerannt.
Ich musste mit den Hufen scharren-
mir war, als hätt sie mich schon lang gekannt.
Als sie sich keifend vor mich stellte
und schrie, wo ich mich rumgetrieben hätte,
da wars, als wenn sich mir der Kopf aufhellte
und wusste : ich war hier an vertrauter Stätte.
Dies war mein Reich und sie mein liebes Weib -
ich hat' es, oben der auf Erde, ganz vergessen.
Versprach ihr, dass ich nun für immer bleib,
doch sie tobt' weiter wie besessen...
„Mon Dieu“, ließ ich ganz kleinlaut nun verlauten,
„ich war doch nur für kurze Zeit mal eben fort,
tat das, was andre vor mir niemals sich getrauten,
wollt Urlaub machen mal an einem andren Ort“.
„Schon immer wollte ich den Himmel sehen,
die Sonne, die dort oben scheint
und nebenbei des Schöpfers Gnade mir erflehen,
doch hat er nur um mich geweint“
„Ich bin zu Dir zurückgekommen,
und werd Dich niemals mehr verlassen
Im Himmel landen all die Frommen,
die andren werden hier, bei uns, verblassen“
2008