Die Befreiung
Dünne, weiße, blutleere Arme,
dürre, messerscharfe Finger,
sich gierig in meinen kämpfenden Körper krallend,
herausgerissenes Fleisch, grölend in sich verschlingend.
Fester, immer fester die Arme um mich schließend,
tiefer, immer tiefer die Krallen in mich bohrend.
Erschöpften Blickes sehe ich weit über mir kleine weiße Punkte –
strahlen, glänzen, lachen.
Sie rufen und winken,
tanzen miteinander,
verlieren sich...
doch immer neue tauchen auf,
lachen, glänzen und strahlen aus winzigen Sternchen,
die wie warme Quellen in die Kälte fließen.
Welch ein Gefühl, dort oben zu leben
und meinem grauenvollen, schmerzhaften Kampf beizuwohnen!
Nein, nein,... Verlockungen!!!!
Himmlisches, göttliches Lachen – Sirenen!
Ihr lacht, ihr tanzt, ihr singt!
Ihr lacht, tanzt, singt.
Und in mir die Krallen,
reißen Stück für Stück aus meinem Körper.
Auch ihr verspracht mir zuviel!!!!
Also nimm den Rest von mir!
Verschlinge mich Du schmatzendes Scheusal!
Und IHR - Sirenen!
Sucht Euch jemand anderen,
mit dem ihr tanzen könnt,
mit dem ihr singen könnt,
mit dem ihr lachen könnt,
mit dem ihr tanzen, singen, lachen könnt!
Jemanden, der sich ebenso wie ihr,
an diesem, meinem Schauspiel ergötzen kann!!
Pfui, teuflisches Himmelreich!!!
Ich lache Euch aus.
Euch alle!
Ich lache Euch aus.
Auch Dich, Du Scheusal,
mit Deinen Krallen....
DU, der Du glaubst, dass mein Fleisch wohlschmeckend sei
und Dich nähren würde.
Ich lache Euch alle aus!!
So, nun nimm,
verdirb Dir Deinen schleimigen, stinkenden Schlund -
und spei mich nicht wieder aus!
Ich werde Dir den Magen umdrehen!!
Ich ließ mich fallen,
in sein weit aufgerissenes, gieriges, grölendes Maul....
und es war mir eine Freude,
seine angstvollen Augen,
die mich gerade eben noch triefend vor Lust verschlangen,
gebannt auf mich gerichtet zu sehen.
Ich erschrecke....
Eine Flut von Wärme, Liebe und Güte umgibt mich.
Ich lache, tanze, singe..
Weit unter mir,
in dünne, blutleere Arme verstrickt,
messerscharfe Krallen bohren sich in seinen Körper...
um sein Leben kämpfend....
Ich winke ihm zu,
ich lache ihm zu.
Es freut mich,
Dich kämpfen zu sehen.
März 1969, 17 Jahre