Donnervogel 2008


Der Donnervogel auf des Berges Gipfel hockte
ganz weit oben und der Sonne nah.
Er wusste kaum noch was ihn hierher lockte -
war wie betäubt von dem was er nun sah.
Die Vögel drunten sammelten sich in ihrem Baum,
um ihm bei seinem Aufstieg zuzuschaun.

Gleichtun wollt er’s den Brüdern und den Schwestern –
so oft hat er’s versucht ist nur gescheitert-.
sie stiegen auf ’gen Himmel, kannten jeden Stern-
sein Bemühen hat sie nur erheitert!
Sie konnten so weit oben in den Lüften schweben -
jedoch, was immer er auch tat, es ließ die Erde beben...

Die Beine lang, die Flügel kurz-
bei jedem Flugversuch kam es zum Sturz.

So bot sich dieser Berg, der in den Himmel wuchs,
wohl an ihn zu besteigen früh im Morgengrauen-
wenn’s anders nicht gelingen kann – versuch’s!
Und ohne sich noch einmal umzuschauen
macht’ er sich auf die Sonne zu umarmen-
als schon die ersten Vöglein angeflogen kamen.

Er stieg hinauf, hinauf dem Licht entgegen-
begleitet von der zwitschernd bunten Vogelschar.
Er fühlte tief in sich des Gottes Horus Segen,
der nun für immer bei ihm war.
Sein Herz wollt’ bersten ihm in seiner Brust-
kein andrer schafft’s - ich hab es immer schon gewusst!

Als er dann staunend auf des Berges Gipfel hockte,
schien sich die Welt unendlich auszudehnen.
Das erste Mal in seinem erdgebund’nen Leben,
hat er das Vogelsein in sich erfahren - sein Atem stockte...
und sang - die Augen füllten sich mit Tränen.
Nun wollt’ er noch nach Höh’rem streben.

Die Flügel spannt er groß und mächtig-
kein Vogel jemals vor ihm war so schön und prächtig!
Betäubt schien er der Allmacht Horus’ zu erliegen-
Die Vöglein sahen seinen Sprung - er musste fliegen!
Als er schon tot, dann donnernd auf die Erde krachte
War niemand da der über ihn noch lachte...

In Federn wurd’ sein Leichnam eingebettet weich und zart-
vom DONNERVOGEL sangen sie - er war der letzte seiner Art


Mallorca 2008

 
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