Eine kleine Bootsfahhrt 2005


Es geschah vollkommen unerwartet.

Mir blieb nicht einmal mehr die Zeit eine Abfolge logischer Ereignisse, die zu diesem bedauerlichen Resultat geführt haben mögen, zu erkennen.

So schnell, wie mein Leben beendet wurde, so schnell zog es nochmals an mir vorüber.

Ich hatte keine Möglichkeit mehr, mich von Dir zu verabschieden, Dir zu sagen, dass ich Dich vermissen werde, dass ich vieles, hätte ich eine zweite Chance, anders gemacht hätte.

Ich sah Deine Augen vor mir und all die Tränen, die Du vergießen wirst.

So bestieg ich das Boot, das auf mich wartete und segelte auf dem sturmgepeitschten Meer aus Tränen davon.

Fetzen aus dunklen Erinnerungen waberten wie Nebelschleier auf der aufgewühlten See.

Voller Abscheu und Angst, sah ich zum Teil grausam entstellte Leichen, auf den Wellenbergen tanzen. Einige hatten mir bekannte Gesichter und schienen mir zu zuwinken.

Die wilde Fahrt ging unaufhaltsam weiter. Das Boot krachte von Wellental zu Wellental und schien unter den Belastungen bersten zu wollen.

Als sich der Sturm legte, glaubte ich in dem verbliebenen Rauschen des Windes Dein Weinen erkennen zu können.

Es verklang dann, immer leiser werdend, in der Ferne, so wie das mir bekannte Ufer, mit all seinen gelebten Höhen und Tiefen, weit hinten im Meer versank.

Eine fremde Sonne stieg am Horizont auf und breitete ihre wohltuenden Strahlen aus.

Stille, Todesstille, atemlose Stille umgab mich, nahm mich in sich auf, verschluckte mich.

Ich wurde eins mit der Stille.

Eine Träne weckte mich- Deine Träne.

Ich schlage die Augen auf.

Du sitzt neben mir, hältst meine Hand in Deiner Hand, streichelst mir über das Haar-

und das Spiel beginnt erneut.

Bombay Nov. 2005

 
 
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