Im Wald wurd ich alleingelassen -
konnt's zum Anfang nicht recht fassen.
Die Bäume alt, das Moos noch feucht
ich wußte nicht was sonst noch kreucht und fleucht.
Der Himmel fern, die Schatten lang,
in meinem Herzen wurd' mir angst und bang.
Recht klein musst ich gewesen sein,
als man im Wald mich ließ allein.
So viele Jahre sind seitdem vergangen,
als dann die Motorsägen in den Wald eindrangen.
Sie fällten Baum um Baum, das Wild wurd einfach so erlegt
und dann an Ort und Stelle gleich zerlegt.
Als sie mich fanden schutzlos und ganz nackt,
wurd' ich von ihnen gleich an meinem langen Bart gepackt.
Die Vögel kreischend aus den Wipfeln flogen -
so wurd ich dann gewaltsam von hier weggezogen.
In einem Hörsaal dann zur Schau gestellt,
nicht mal gefragt ob's mir auch recht sei und gefällt
Der Wissenschaft sollt' ich nun dienen-
wurd' bis ins Innerste erforscht von finstren Mienen.
Die Spinnen, Hasen, Wölfe und auch die Krähen,
um deren Beistand ich begann zu flehen,
die Moose, Flechten, Sträucher und die Tannen,
die Tropfen Tau, die frisch mir in die Kehle rannen.
Den warmen Wind, der Blumen Duft, den Regen und den Schnee,
im Sonnenlicht das ängstlich schöne Reh.
All dies vermiß ich und wär so gern bei Euch geblieben,
doch werd' von dummen Fragen hier nun aufgerieben
Den Professoren und all den anderen schlauen Leuten,
die sich an meiner Seelenqual erfreuten,
schrei ins Gesicht ich, wenn sie mich sezieren
"ich lebte lieber in dem Wald und bei den wilden Tieren"
Mallorca 2007