Im Himmel
Es öffnet sich ganz weit das Himmelstor
recht freundlich werde ich hineingebeten;
Ich stand so lange schon davor,
ob dieser Geste bin ich sehr betreten
Die Blumen, die ich mitgebracht,
sind welk geworden und erschlafft.
Die Pralinenschachtel hab ich aufgemacht -
den Aufstieg hätt ich sonst wohl nicht geschafft.
Nun steh ich hier vor Gott dem Schöpfer,
um gleich ihm meine Achtung zu bezeugen:
"Ich bin Reinhard und Du dann sicherlich der Töpfer"
und wollte mich vor seiner Schaffenskraft verbeugen.
Wortlos packt er mich an meinem Schopf,
der weiße Bart bedeckt sein Mienenspiel.
Er legt mich zu den andren in den Topf;
danach erstellt er eine Skizze mit dem Federkiel.
Die toten Leiber werden schnell zu Ton vergoren;
ein Seraphin formt daraus Arme, Beine, Kopf und Ohren.
Ein Engelschor begleitet ihn mit Schöpfungsliedern
und spür den Atem Gottes nun in meinen toten Gliedern.
So hat er mich erweckt aus dieser Tonfigurenschar
Ich schau ihn an - riskiere gleich ne freche Lippe:
"Gepriesen seist Du nun oh Herr, für alle Zeiten und fürimmerdar!"
-und eh ich mich verseh, da fehlt mir eine Rippe...
2008
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