Sieben Todsünden  2009

 

Ich bin kein wildes Tier
und warte nicht auf Beute.
Verspüre keine Gier,
tat niemals etwas, das ich je bereute.

Mein geweihtes Blut kocht heiß
in meinen Venen.
Im Dunkel wart ich leis;
in DIR ist all mein Sehnen.

Ich hör den Ruf des Herrn
und er ist lauter als ihr Flehen.
Ich fühle mich berufen und erfüll ihn gern:
sie wird bald keine Unzucht mehr begehen.

Oh Herr, Dein Wort ist mir Befehl,
den Hochmut muss man brechen,
auf dass ich ihm das Leben stehl-
ich werd ihn heute noch erstechen!

Oh Herr, ich bin Dir ganz ergeben,
doch maßlos ist der Rest der Welt.
Nicht einer sollte weiterleben -
ich weiß, dass Dir mein Tun gefällt.

Oh Herr, frohlockend wie Schalmeien,
hör ich Dein Wort in meinen Ohren.
Der Zornige soll laut vor Schmerzen schreien:
heut werd ich ihm das Herz durchbohren!

Oh Herr, ich will Dir ewig dienen,
und Dir allein für immer nur gehören.
Den Trägen häng ich auf an Riemen,
im Sterben wird er auf die Bibel schwören!

Oh Herr, wie wohlgesonnen Du mir bist,
so grenzenlos in Deiner Gnade.
Der Habgier komm ich bei mit List:
ein Messer wäre viel zu schade.

Oh Herr, du hast mich auserkoren
mit Neid werd ich bedacht.
Was sind das bloß für Toren,
ich hab das Feuer schon entfacht.

Nun denn allmächtger, großer Gott,
für Dich werd ich die Welt erlösen:
Ich bin Dein Richter und Schafott
und nur für Dich vernicht all die Bösen.

2009


 
Schließen